ÜBER UNS
DER WEG ÜBER DIE HALBINSEL VOR DEM BAU DES DAMMS
Die Fährverbindung über den Holbæk Fjord verkürzte den Weg der Halbinselbewohner in die Kleinstadt Holbæk um viele Kilometer. Das war von großer Bedeutung, da die Reise im besten Fall per Pferdewagen, oft aber zu Fuß zurückgelegt wurden musste.
Bevor der Audebo-Damm 1874 gebaut wurde, nahmen Reisende, die nach oder aus Odsherred wollten, den Weg über Tuse Næs, um den langen Umweg um den Lammefjord herum, zu vermeiden. Von Hørby führte ein Pfad zum Kisserup Gasthof, von wo aus eine Fähre nach Kongsøre Næbbe verkehrte. Dieser Pfad wurde „Tingstien” genannt. Wer den langen Weg zu Fuß auf sich nahm und eine Pause brauchte, fand in Udby einen Gasthof, wo man die müden Füße ausruhen konnte.
Viele suchten danach Erholung im Kisserup Gasthof. Manchmal war dort kein Platz mehr, und die Reisenden mussten stattdessen im Kuhstall schlafen. Dort kostete eine Nacht 2 Schilling – wenn man bereit war, hinter den Kühen zu schlafen. Wer lieber vor den Kühen schlief, zahlte 4 Schilling.


FÄHRVERBINDUNG VON HØRBY
Das früheste Zeugnis einer Fährverbindung über den Holbæk Fjord stammt vom 13. März 1328. Damals wurde berichtet, dass 30 Menschen im Fjord ertranken – ein erster Hinweis darauf, dass bereits eine Überfahrt zwischen Holbæk und Tuse Næs stattfand.
Später gibt es Belege für den Fährbetrieb in Form von Pachtbriefen zwischen dem Gutsbesitzer von Hørbygård und Pachtbauern, die im Fährhaus in Hørby wohnten.
Bis 1896 gehörten dem Fährhaus zwei kleinere Segelboote. Als F.C. Sørensen als Fährmann eingestellt wurde, schaffte er sich ein Dampfboot namens Dagmar an. Der Fährbetrieb erfüllte jedoch nicht die Erwartungen, und die Dagmar wurde bereits im darauffolgenden Jahr außer Betrieb genommen. Im selben Herbst bestellte der Besitzer von Hørbygård ein neues, größeres Dampfschiff mit Platz für 73 Passagiere. Dieses Schiff erhielt den Namen Hørby, wurde aber stets „Hørbybåden” genannt. Ab dem 20. August 1898 verkehrte die Fähre erneut zwischen Holbæk und Hørby – nun mit L.P. Pedersen als Pächter.
Musste in jener Zeit ein Arzt oder eine Hebamme mit der Fähre zur Halbinsel, war es die Aufgabe des Fährkrugpächters, eine Kutsche mit einem Pferd bereitzustellen, um den Arzt zum Patienten zu bringen. In diesem Fall wurde, sobald die Fähre die Hälfte des Fjords überquert hatte, einmal mit dem Horn getrötet. War ein zweites Pferd für den Transport nötig, ertönten zwei Hornsignale.
Schipper Carlsen war viele Jahre Maschinist auf der „Hørbybåden“, bis er während des Krieges dessen Leitung übernahm. In seiner Zeit wurde ein Gasgenerator auf dem Schiff installiert, der den früheren Dieselmotor aus dem Jahr 1928 ersetzte. Dies funktionierte zwar wie vorgesehen, hatte jedoch zur Folge, dass Carlsen zweimal nur knapp einer Vergiftung durch den Generator entging.
Als das Auto zum Gemeingut wurde, war es kaum noch möglich, mit dem Fährbetrieb gute Geschäfte zu machen. 1966 entschied der damalige Eigentümer, die Hørbybåden zu verkaufen und den Fährbetrieb einzustellen. Im November 1967 versuchte man es erneut mit einer neuen Fähre namens Vita, doch auch ihr Betrieb wurde im April des folgenden Jahres eingestellt.
VOM FÄHRENHOF ZUM FÄHRGASTHOF
An dem Ort, wo die Hørby Færgekro heute steht, befand sich wahrscheinlich bis Anfang des 18. Jahrhunderts ein Bauernhof. Der Kammerherr setzte dort einen Pachtbauern ein, der unter den Bewohnern der Halbinsel als am geeignetsten ausgewählt wurde.
Der erste Pachtbauer auf dem Fährenhof war Laurs Andersøn im Jahr 1702. Er war verpflichtet, das Haus und zwei Boote in Stand zu halten, sowie Bedienstete von Hørbygård an Wochentagen nach Holbæk und zurück zu befördern und sonntags die Post in Holbæk abzuholen. Dafür bekam er freie Unterkunft und durfte von anderen Reisenden oder für den Transport von Waren über den Fjord Geld verlangen. Die folgenden Fährmänner erhielten weitere Aufgaben und mussten nun verschiedene Waren zum und vom Gut transportieren. Über 126 Jahre, bis 1896, blieb diese Aufgabe in derselben Familie, die das Pachtverhältnis über fünf Generationen innehatte.
1730 wurde festgestellt, dass auf dem Fährenhof ein illegaler Gasthof betrieben wurde. Es stellte sich heraus, dass nicht nur Reisende die Verpflegung vor Ort nutzten – auch Einheimische kamen, um sich zu treffen und zu essen. Daraufhin wurde der Hof zur Hørby Færgekro.
Zum Fährgasthof gehörte lediglich ein Kohlgarten, weshalb es naheliegend war, weiteres Land zu pachten. Der Gutsbesitzer von Hørbygård war jedoch nicht damit einverstanden, dass der Fährmann Land pachtete, das nicht zu Hørbygård gehörte. Daher wurde 1736 eine entsprechende Bestimmung in den Pachtvertrag aufgenommen, welche dies untersagte.
Nach dem Kauf des Hørbybåden 1898 lief das Geschäft gut und es wurde ausgebaut. Ein Kaufmannsladen wurde eröffnet und der Fährenhof erneuert. Hinter dem Gasthof wurde zudem ein Tanzpavillon errichtet, der rund 300 Menschen Platz bot. Dort wurden Feste und Veranstaltungen abgehalten – besonders zu Pfingsten und am Verfassungstag strömten viele Menschen herbei. Oft kamen Gäste aus Holbæk zu diesen Veranstaltungen, die alle mit der Hørbybåden übergesetzt wurden. Um so viele Menschen befördern zu können, war an der Seite des Hørbybåden ein weiteres großes Boot befestigt, das den Namen „Christian der Neunte” trug.


BLÜTEZEIT UND FESTE IM GASTHOF
Als die Bauern von Tuse Næs Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Schweine zur Schlachtung bringen mussten, wurden diese zunächst nach Hørby gebracht und dann mit der Fähre nach Holbæk übergesetzt. Dort wurden nach der Ankunft über die Fährbrücke und durch die Straßen Holbæks bis zur Schlachterei getrieben.
Mitunter bildete sich auf dem Weg zur Hørby Færgekro eine lange Schlange von Fuhrwerken, die darauf warteten, ihre Tiere abzuladen. Sobald sie den Hof erreichten, kam der Lehrling des Kaufmanns heraus und nahm den Bauernfrauen die Einkaufszettel ab, damit sie Waren mit nach Hause nehmen konnten.
Nachdem die Tiere abgeladen waren, wurden die Pferde ausgespannt und Bauern wie Hausbesitzer begaben sich in die Gaststube zum Essen. Dort trafen sich Menschen von der gesamten Halbinsel, und der Gasthof wurde schnell zu einem Ort, an dem alles Wichtige besprochen wurde. Oft fand sich auch Zeit für eine Runde Karten und ein paar Schnäpse.
Der Gastwirt hatte also ein einträgliches Geschäft und bewirtschaftete dazu noch knapp 8 Hektar Land. Er beschäftigte regelmäßig 7–8 Männer für die Landwirtschaft sowie viele Mägde im Gasthof selbst.
Mit der Zeit kamen einige Einheimische auf die Idee, am Geschäft der Hørby Færgekro beteiligt zu sein, und boten an, den Gasthof zu kaufen. So wurde 1919 eine Aktiengesellschaft gegründet, an der alle interessierten Bewohner von Tuse Næs ab 100 Kronen Anteile erwerben konnten.
Daraufhin wurden einige Veränderungen vorgenommen. Der Kaufmannsladen wurde 1920 verkauft, danach wurde eine größere Renovierung des Gasthofs in Angriff genommen und das dazugehörige Land veräußert.
Während der Renovierung wurden die Ställe abgerissen und stattdessen Gästezimmer mit 22 Betten gebaut. Außerdem wurde ein neuer Eingangsbereich sowie eine Veranda mit Blick auf den Fjord errichtet. Die alte Decke dieser Veranda haben wir bei der letzten Renovierung entdeckt – sie existiert noch immer unter der heutigen Konstruktion.
Es wurde ein Pächter eingestellt, der Erfahrung mit Hotelbetrieb hatte, was sich jedoch als schlechte Entscheidung herausstellte. Er reiste ab und hinterließ der Aktiengesellschaft hohe Schulden. Erschwerend kam hinzu, dass inzwischen Autos auf Tuse Næs unterwegs waren, die den Fjord umfuhren und damit den Fährgasthof umgingen. Die Færgekro kam zur Zwangsversteigerung und die Aktionäre verloren alles, was sie investiert hatten.
DER GASTHOF IN NEUERER ZEIT
1968 brannte der Gasthof nieder und wurde anschließend in der Form wieder aufgebaut, in der wir ihn heute kennen – mit dem flachen Dach. Später wurde auch eine Kegelbahn gebaut, die von der Bevölkerung rege genutzt wurde.
Das Gebäude unterscheidet sich erheblich von dem früheren, wie auf alten Fotos zu sehen ist, doch an mehreren Stellen finden sich noch Spuren der alten Konstruktion. Bei der Renovierung 2022 kamen weitere Details zum Vorschein, und es wurden altes Geschirr sowie alte Speisekarten gefunden. Zuletzt zeigte sich 2025 bei der Renovierung der alten Wohnung auf der Parkplatzseite – die heute als Bürogebäude genutzt wird – dass große Teile der Wände aus alten luftgetrockneten Ziegelsteinen bestehen.
In den letzten Jahrzehnten stand Hørby Færgekro mehrfach kurz davor, abgerissen oder umgebaut zu werden. 1987 war die Rede davon, dass die Hørby Færgekro möglicherweise als Flüchtlingszentrum genutzt werden sollte, und 2001 berichtete die Zeitung „Holbæk Amts Venstreblad“ über verschiedene mögliche Pläne für das Gebäude. Der Gasthof wurde sowohl als Standort für eine Förderschule als auch für ein Wohnbauprojekt in Betracht gezogen. Glücklicherweise blieb die Hørby Færgekro erhalten – als Ort auf Tuse Næs, an dem Menschen zusammenkommen können.
1988 wurde das 25-jährige Jubiläum der Kisserup Enge Grundeigentümervereinigung im Gasthof gefeiert. Sowohl das Kisserup Wasserwerk als auch der „Super 1″-Kaufmannsladen in Kisserup hatten als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit je einen Korb mit Wein, Blumen und anderen Köstlichkeiten geschickt. Während die Mitglieder beim Essen saßen, kamen zwei junge Männer an die Bar, wo die Körbe standen, und bestellten zwei Bier. Sie kamen mit der Bedienung ins Gespräch, und nach einer Weile teilten sie ihr eine Idee mit: „Wir wollen den Abend festlich gestalten. Gleich fahren wir mit einem Boot hinaus und zünden ein großes Feuerwerk auf dem Fjord – zu Ehren der Grundeigentümervereinigung. Danach kommen wir an Land und überreichen festlich die zwei Weinkörbe.”
Die Bedienung fand das eine tolle Idee und vereinbarte, dass die beiden ihre Bierrechnung später begleichen könnten. Sie wartete lange darauf, dass das Feuerwerk beginnen würde – doch es kam nie. Nach dem Fest musste man daher nach den beiden jungen Männern suchen, die ja noch eine offene Rechnung in der Bar hatten, und den Spendern der Körbe zu danken, von denen man nie etwas gesehen hatte. Am nächsten Tag erschien ein Zeitungsartikel mit der Überschrift „Fest, Schwindel und Korbklau”, der über das Drama berichtete.


DIE HØRBY FÆRGEKRO ALS FILMKULISSE
1956 diente die Hørby Færgekro als Kulisse für die Komödie „Færgekroen”. Im Film gehört der Gasthof den zwei guten Freunden Erik Hansen (Dirch Passer) und Lars Tofte (Ove Sprogøe), die auch eine kleine Fähre besitzen, die sie mit dem Festland verbindet.
Der Direktor von Saga Film war begeistert von der Hørby Færgekro mit ihrer Lage auf Tuse Næs sowie der kleinen Fähre Hørby. Die Filmgesellschaft hatte in allen Ecken des Landes nach einer Fähre gesucht, die die richtige Größe und das richtige Alter für den Zweck hatte, bevor sie die Hørby fanden – genau so klein und gemütlich, wie sie sein sollte.
Gastwirt Holger Hansen stimmte zu, die Fähre für 3.000 Kronen zu vermieten, zögerte jedoch, als es um den Gasthof selbst ging. Zu Beginn des Films sollte die Færgekro etwas heruntergekommen wirken, weshalb der Gastwirt den Frühjahrsanstrich verschieben müsste, wenn das Gebäude für den Film genutzt werden sollte. Saga Film versprach dafür, dass Dirch Passer, Kjeld Petersen und Ove Sprogøe den Gasthof höchstpersönlich streichen würden. Und so wurde die Abmachung getroffen.
Die Dreharbeiten weckten großes Interesse in der Region – besonders als bekannt wurde, dass in einigen Szenen lokale Statisten eingesetzt werden sollten, etwa als Fahrgäste auf der Fähre. Eines Tages erschienen zwei Kinder im Alter von 6–7 Jahren mit ihren Autogrammbüchern und wandten sich an Ove Sprogøe. Er war überrascht, erkannt zu werden, und fragte sie daher, ob sie aus Kopenhagen kämen. „Nein, wir kommen aus Dänemark”, antworteten sie unbekümmert. Das musste er erst einmal sacken lassen.
Das alte Schwarzweißlustspiel wird hier im Gasthof regelmäßig gezeigt und ist jedes Mal ein voller Erfolg.
Dies war jedoch nicht das einzige Mal, dass die Hørby Færgekro als Drehort genutzt wurde. Im Jahr 2000 diente sie als Kulisse für die Folgen 8 und 9 der ersten Staffel der beliebten Serie „Rejseholdet”. Dabei wirkten auch einige Mitarbeiter als Statisten mit. Wie in den Aufnahmen zu sehen ist, präsentierte sich der Gasthof in jener Zeit in deutlich lebhafteren Farben – mit gelben Wänden, rotem Dach und grünen Türen.
Nach der letzten Renovierung diente der Gasthof als Drehort für „Landmand Søger Kærlighed”. Das Restaurant ist daher genauso zu erkennen, wie es sich heute präsentiert.
Video produziert von Kim Omø Carlsen







